Verkettungen
Erfahre, wie du mit Verkettungen Vorlagen miteinander verbindest und dadurch komplexe Fehlerbilder abbildest.
Geschrieben von Henriette Hellweg
Zuletzt aktualisiert Vor 19 Tagen
Was ist eine Verkettung?
Eine Verkettung fügt mehrere Vorlagen zu einem Gesamtsystem zusammen, damit ihr Fehlerwissen gemeinsam in der Fehlersuche genutzt werden kann.
Das Grundprinzip ist additiv: Statt eine riesige Heatmap für die ganze Maschine zu pflegen, baust du das Gesamtwissen aus Teilen zusammen. Jede Vorlage ist ein Teil (ein Bauteil oder Bereich) und bringt ihr eigenes Wissen mit – eigene Symptome, eigene Ursachen und eine eigene (Teil-)Heatmap. In der Verkettung werden diese Teile angefügt, und zusätzlich definierst du die bereichsübergreifenden Verbindungen zwischen ihnen.
Kurz: Eine Vorlage enthält das Wissen zu einem Bauteil/Bereich. Eine Verkettung fügt mehrere Vorlagen additiv zusammen. Die Verkettung selbst ist die Hülle der Gesamtmaschine – sie ist selbst keine eigene Bauteil-Vorlage.

Wann brauche ich eine Verkettung – und wann reicht eine Heatmap?
Nutze eine Verkettung, wenn …
deine Maschine aus mehreren größeren Bereichen besteht,
diese Bereiche eigenes Fehlerwissen haben,
eine Ursache in einem Bereich ein Symptom in einem anderen Bereich auslösen kann,
du dieselbe Vorlage in mehreren Maschinen wiederverwenden möchtest,
eine einzelne Heatmap zu groß/unübersichtlich würde.
Nutze eher eine einzelne Heatmap, wenn … alles in einem klar abgegrenzten Bereich passiert.
Merksatz: Passiert alles in einem Bereich → Heatmap. Wirken mehrere Bereiche zusammen → Verkettung.
Grundbegriffe: Vorlage, Verkettung und Maschine
Vorlage – eine Wissensvorlage zu einem Bauteil/Bereich (Symptome, Ursachen, Wahrscheinlichkeiten, Routinen).
Verkettung – verbindet mehrere Vorlagen additiv zu einem Gesamtsystem.
Maschine – eine konkrete Maschine, die mit Wissen arbeitet. Eine Maschine kann auch aus einer Verkettung erstellt werden. Wenn du Bauteile in einer Verkettung zusammensetzt, brauchst du keine Hülle, um sie zu verbinden – die Maschine ist die Hülle.
So legst du eine Verkettung an und nutzt sie
1. Neue Verkettung erstellen
Öffne links „Verkettung" und klicke oben rechts auf „Neue Verkettung". Vergib einen Namen der Verkettung und wähle oder erstelle einen Typ. Optional ein Übersichtsbild. Mit „Speichern" ist die Verkettung angelegt.

2. Die Strukturansicht nutzen (Vorlagen als Knoten hinzufügen)
Öffne die Verkettung und wechsle links auf „Verkettung" – das ist die Strukturansicht. Über den Vorlagen-Bereich suchst du eine Vorlage und ziehst sie per Drag & Drop in die Strukturansicht. Jede Vorlage wird zu einem Knoten (= ein Bereich der Maschine). Über die Zoom-Buttons unten ordnest du die Knoten übersichtlich an.

Wenn du eine Vorlage mehrmals in einer Verkettung nutzt (z. B. ein Transportband, das mehrmals in einer Produktionslinie verbaut ist), kannst du die Instanzen unterschiedlich benennen, damit der Maschinenbediener an der richtigen Stelle schaut, wenn ein Symptom der Vorlage abgefragt wird.

3. Verbindung erstellen und die Teil-Heatmap pflegen
Ziehe von einem Verbindungspunkt eines Knotens zu einem anderen Knoten – die Verbindung wird angelegt. Die Zahl auf der Verbindung zeigt, wie viele bereichsübergreifende Ursache→Symptom-Verknüpfungen bereits definiert sind (anfangs 0).
Ein Klick auf die Zahl/Verbindung öffnet den Verbindungseditor: Oben wählst du die Ursachen-Vorlage und die Symptom-Vorlage; mit dem ↔-Button drehst du die Leserichtung (welcher Bereich liefert die Ursache, welcher das Symptom). Darunter siehst du die Teil-Heatmap für genau diese Bereichs-Kombination und trägst die Werte ein. Es sind dieselben Werte, die in der Verkettungs-Heatmap (Schritt 4) als Verkettungsblock dieser beiden Vorlagen erscheinen – du kannst sie an beiden Stellen pflegen. Über „Heatmap öffnen" springst du in die gefilterte Verkettungs-Heatmap.

4. In der Verkettungs-Heatmap arbeiten
Öffne im Menü „Heatmap". Die Verkettungs-Heatmap zeigt das Wissen aller Vorlagen in einer einzigen Tabelle: Jede Zeile ist eine Ursache, jede Spalte ist ein Symptom, jeweils nach Vorlage gruppiert (z. B. „… Hydraulik (Teilsystem)", „… Mechanik – Rahmen & Stößel", „… Schmiersystem").
Durch diese Gruppierung zerfällt die Tabelle in Blöcke:
Blöcke auf der Diagonale – Ursache und Symptom stammen aus derselben Vorlage. Diese Werte kommen aus der eigenen Heatmap dieser Vorlage. Du kannst sie hier pflegen, die Änderungen werden aber auch in die Ursprungsheatmap übernommen.
Alle übrigen Blöcke („Verkettungsblöcke") – die Ursache stammt aus einer Vorlage, das Symptom aus einer anderen. Sie sind zunächst leer, und genau hier entsteht die Verkettung. Es sind dieselben Werte, die du in Schritt 3 im Verbindungseditor gesehen hast.
So verknüpfst du eine Ursache mit einem Symptom aus zwei verschiedenen Vorlagen:
Suche die Zeile der Ursache, z. B. „Verstopfte Schmierleitung" (Schmiersystem).
Suche die Spalte des Symptoms in der anderen Vorlage, z. B. „Hakendes Verfahren des Stößels" (Mechanik).
Klicke auf die Zelle, in der sich diese Zeile und diese Spalte treffen, und wähle eine Häufigkeit: Immer / Oft / Selten / Nie.
Lies jede Zelle als einen Satz: „Wenn [Ursache] vorliegt, tritt [Symptom] [Häufigkeit] auf."
Über die Toolbar unten stellst du Sortierung und Ansicht um und öffnest die Heatmap im Vollbild.
Tipp: Ohne Einträge in den Verkettungsblöcken bleiben die Bereiche isoliert. Für eine echte Verkettung trage dort bewusst Wahrscheinlichkeiten ein.

Drei Beispiele aus der Praxis
Beispiel 1 – Teilsysteme: Hydraulikpresse

Eine Hydraulikpresse ist das Beispiel, das auch oben verwendet wurde. Sie besteht aus mehreren Teilsystemen, die als eigene Vorlagen gepflegt und in einer Verkettung verbunden werden: Hydraulik, Steuerung, Mechanik (Rahmen & Stößel) und Schmiersystem. Die Verkettung ist die Presse selbst (die Hülle), die Teilsysteme sind die Teile.
Bereichsübergreifende Effekte, z. B.:
Schmiersystem → Mechanik: „Verstopfte Schmierleitung" → „hakendes/ratterndes Verfahren des Stößels"
Mechanik → Steuerung: „Beschädigte Führungsleiste" → „Maschine stoppt unerwartet"
Hydraulik → Steuerung: „Verschlissene Pumpe" → „Maschine stoppt"

Beispiel 2 – Fertigungslinie: Holzbearbeitung

Eine Fertigungslinie besteht aus Stationen in Reihe: Entrindung → Drehmaschine → Fräsen (Varianten) → Montage/Endkontrolle. Ein Fehler an einer frühen Station wird oft erst an einer späteren sichtbar (Fehler wandern stromabwärts).

Beispiel 3 – Ausstattungen: Mähdrescher
Ein Mähdrescher besteht aus einer Basismaschine plus verschiedenen Ausstattungen (Anbau-/Zusatzkomponenten), die je nach Konfiguration dazukommen. Jede Ausstattung ist eine eigene Vorlage und wird in der Verkettung „Mähdrescher" mit der Maschine verbunden. So bildest du eine individuell ausgestattete Maschine ab, ohne für jede Kombination eine eigene Riesen-Heatmap zu pflegen – und kannst einzelne Ausstattungen auch in anderen Maschinen wiederverwenden.
Ausstattungen als Vorlagen, z. B.:
Automatisches Schneidwerk-Höhensystem
Ertragskartierungssystem
Feuchtigkeitssensor
Korntankwaage
Touchscreen-Bedienterminal
Bereichsübergreifende Effekte, z. B.:
Feuchtigkeitssensor → Bedienterminal: „Sensor liefert falschen Messwert" → „falscher Feuchtewert in der Anzeige"
Ertragskartierungssystem → Bedienterminal: „Sensor/Kamera gestört" → „Lücken in der Ertragskarte"

Fehlersuche / Testlauf in der Verkettung
Über „Testlauf starten" kannst du die Fehlersuche über die gesamte Verkettung testen. Die Diagnose nutzt das kombinierte Wissen aller Bereiche inklusive der bereichsübergreifenden Verbindungen.
Grenzen und typische Stolperstellen
Übergreifende Werte nicht vergessen: Ohne Einträge in den Verkettungsblöcken bleiben die Bereiche unverbunden. Es kann trotzdem eine Maschine erstellt und genutzt werden – die Fehlersuche bleibt dann aber abgehackt und ist ohne Filterung kaum sinnvoll nutzbar.
Verkettung duplizieren / Verkettung in Verkettung: aktuell eingeschränkt; komplexe Systeme lieber über klare Teilsystem-Vorlagen modellieren.
Mehrere Produktionslinien aus einer Verkettung: nur sinnvoll, wenn die Linien wirklich gleich funktionieren – sonst vermischen sich Wahrscheinlichkeiten.
Nicht verknüpfte Ursachen und Symptome werden in der Fehlersuche der Verkettung nicht aktiv genutzt.
Varianten von Verkettungen: Das Varianten-Feature ist aktuell noch in Entwicklung. Mit der Filterung der Verkettungs-Heatmap können aktuell Varianten der Verkettung erzeugt und in gefilterten Testlauf geprüft werden. Sie sind aber noch nicht für den Operator nutzbar.